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		<title>Keine Show, kein Drama, nur Machtwechsel: Haseloff macht’s deutsch.</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2026 09:15:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Es gibt Politiker, die gehen, indem sie gehen, und es gibt Politiker, die gehen, indem sie vorher noch schnell erklären, dass sie eigentlich gar nicht gehen, sondern nur anders da sind – und bei Reiner Haseloff passt, auf eine fast rührend altmodische Art, beides gleichzeitig, weil er seinen Rücktritt am 27. Januar 2026 eben nicht [&#8230;]]]></description>
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<p>Es gibt Politiker, die gehen, indem sie gehen, und es gibt Politiker, die gehen, indem sie vorher noch schnell erklären, dass sie eigentlich gar nicht gehen, sondern nur anders da sind – und bei Reiner Haseloff passt, auf eine fast rührend altmodische Art, beides gleichzeitig, weil er seinen Rücktritt am 27. Januar 2026 eben nicht als dramatischen Abgang inszenierte, sondern als Übergabe, als Stabwechsel in der Staatskanzlei, als „Das Leben geht weiter“ in Anzug, nur dass hinter diesem Satz ja ein ganzes Jahrzehnt steht, plus ein bisschen, diese sachsen-anhaltische Langstrecke, die selten glamourös ist und gerade deshalb so viel über Politik verrät. Haseloff war seit 2011 Ministerpräsident, dienstältester im Land, was in Deutschland ungefähr so wirkt wie „längst im Fitnessstudio angemeldet“: man hat Respekt vor der Disziplin, fragt sich aber auch, wie oft man dafür auf Dinge verzichtet hat, die andere Menschen „Freitagabend“ nennen. Und jetzt also Sven Schulze, CDU-Landeschef und Wirtschaftsminister. Vor der Landtagswahl am 6. September ist er nicht nur Kandidat, sondern auch schon im Amt, hat Zugriff, Bühne, dieses „Regierungsbonus“-Ding, das in der Theorie immer größer ist als im echten Leben, wo die Leute ihre Miete zahlen und dann erst über Koalitionen nachdenken, wenn überhaupt.</p>



<p>Ich merke, wie ich bei Haseloff automatisch in diesen Modus rutsche: der Mann als Stabilitätsversprechen, als jemand, der nicht schreit, sondern abwägt, der nicht twittert, sondern telefoniert, der in einer Zeit, in der Politik ständig so tut, als sei sie eine Reality-Show (mit sehr teuren Kulissen), plötzlich wie das Gegenteil wirkt: wie Verwaltung mit Herzschlag. Und ja, das ist ein Kompliment, auch wenn es sich für manche nach Beleidigung anhört, weil Verwaltung in Deutschland ja gern als Schimpfwort benutzt wird, dabei ist sie manchmal die dünne, aber entscheidende Schicht zwischen „Das geht doch so nicht“ und „Okay, dann machen wir’s halt trotzdem“. Haseloff hat dieses Land durch Konstellationen geführt, die man nicht aus Jux baut – von Schwarz-Rot bis zur Kenia-Koalition, später dann Deutschland-Koalition – und wer einmal versucht hat, drei Parteien in einem Bundesland in dieselbe Richtung zu bewegen, weiß: Das ist weniger „Vision“ als „Nerven“, und Nerven sind in der Politik eine Währung, die nicht auf Wahlplakaten steht. Dass Friedrich Merz ihm öffentlich sagt „Du wirst mir fehlen“, ist in dieser Republik schon fast eine Umarmung im Plenum, und zugleich sagt es etwas über Haseloffs Rolle: verlässlicher Partner, moderater Ton, jemand, der nicht jeden Konflikt gewinnt, aber viele Konflikte klein hält, bevor sie groß werden.</p>



<p>Natürlich wäre ein Nachruf (politisch, nicht biografisch, wir leben ja alle noch) gelogen, wenn er so täte, als sei das alles nur glatt, freundlich, staatstragend gewesen, als hätte Haseloff einfach nur geschniegelt den Landesvater gegeben und dabei die AfD mit Blicken wegmoderiert. Gerade Sachsen-Anhalt ist ja seit Jahren ein Ort, an dem deutsche Gegenwart besonders laut klappert: Strukturbruch und Strukturstolz, Wegzug und Trotz, Weltoffenheit und Müdigkeit, dieses ständige Gefühl, man müsse sich erklären – nach Westen, nach Berlin, manchmal sogar vor sich selbst. Und Haseloff stand mittendrin und hat, das muss man ihm lassen, die AfD nicht als „Rand“ behandelt, sondern als reale Gefahr für die demokratische Statik; er hat das in Interviews teilweise so zugespitzt, dass es fast nach Verzweiflung klang, als wäre Politik plötzlich wieder existenziell und nicht nur ein Spiel um Prozentpunkte. Gleichzeitig hatte er Momente, in denen sein Krisenmanagement wie ein sehr deutscher Reflex wirkte: lieber den Deckel drauf, bevor es knallt, selbst wenn man damit die Debatte verschiebt statt löst – man erinnere sich an die Rundfunkbeitragskrise 2020, dieses toxische Gemisch aus Koalitionsstreit, AfD-Mehrheitsarithmetik und dem unangenehmen Verdacht, dass man am Ende nicht mehr sauber unterscheiden kann zwischen „taktisch“ und „prinzipiell“. Und auch in der Flüchtlingsdebatte gab es bei ihm diese CDU-typische Bewegung: nicht Krawall, aber das Bedürfnis nach Begrenzung, nach Ordnung, nach einer Obergrenze, die dann bitte die Länder regeln sollen – eine Idee, die pragmatisch klingt, aber in der Realität vor allem zeigt, wie sehr Politik manchmal versucht, moralische Konflikte in Zuständigkeiten zu übersetzen. Das ist der kleine Schatten im Bild: Haseloff war oft der Mann, der Schlimmeres verhindert, aber weniger der Mann, der das Bessere erfindet.</p>



<p>Wobei: Vielleicht ist genau das seine unterschätzte Qualität, dieses „Bessere erfinden“ nicht mit dem großen Marker auf der Flipchart zu versprechen, sondern in kleinen, schmutzigen, unsexy Schritten zu machen, die später niemand mehr sieht, weil sie dann halt einfach funktionieren. Wenn ich an Haseloffs Amtszeit denke, denke ich nicht an einen einzigen großen Moment, der wie eine Netflix-Staffel endet, sondern an eine ganze Reihe von Situationen, in denen man in Deutschland plötzlich wieder merkte, wie fragil Normalität ist: die Euro- und Nach-Euro-Jahre, die ständige Ost-West-Reibung im politischen Betrieb, die Pandemie, Koalitionskrach, die Dauerfrage AfD, das permanente „Wie hält man die Mitte zusammen, ohne sie tot zu umarmen“, und dann immer wieder dieses Sachsen-Anhalt-spezifische Ringen um Investitionen, um Nachwuchs, um Schulen, um Ärzte, um Bahnhöfe, um das Gefühl, nicht nur Kulisse für Debatten aus Berlin zu sein (und ja, ich höre mich dabei selbst, wie ich diese Liste runterbete, als würde ich damit beweisen, dass ich das Land kenne, dabei ist es eher das Gegenteil: Ich mache die Liste, weil ich weiß, dass ich vieles eben nicht täglich lebe). In solchen Lagen war Haseloff selten der, der die größte Pointe liefert, aber oft der, der am Ende noch im Raum ist, wenn die Pointe längst verpufft ist – und das ist, gerade heutzutage, ein ziemlich modernes Talent.</p>



<p>Und jetzt hat er abgegeben, nicht erst zur Wahl, sondern vorher, bewusst, kalkuliert, mit dem Argument der Kontinuität in „unruhigen Zeiten“, und das klingt einerseits wie PR, andererseits aber auch wie ein Mann, der wirklich verstanden hat, dass sich Demokratie manchmal nicht in Sätzen verteidigt, sondern in Abläufen, in Übergaben, in dem simplen Akt, Macht geordnet weiterzugeben. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP hat dem Wechsel zugestimmt, die Opposition mokiert sich erwartbar über „Taktik“, und irgendwo dazwischen steht Sven Schulze und bekommt ein Amt, das nicht nur ein Job ist, sondern ein Klima: Haseloffs Nüchternheit, sein leiser Ton, seine Art, mit dem Osten nicht als Pose, sondern als Biografie umzugehen – das erbt man nicht automatisch mit dem Schlüssel zur Staatskanzlei. Ich wünsche Schulze, ganz unironisch, dass er begreift, wie viel in diesem Bundesland davon abhängt, dass man nicht ständig die Leute belehrt, sondern ihnen zuhört, ohne sofort einen Slogan draus zu machen. Und Haseloff? Der kann jetzt tatsächlich das machen, was so viele Politiker in Abschiedsreden versprechen und dann doch nicht schaffen: ein bisschen Privatleben, ohne gleich als „weg“ zu gelten. „Ich bin nicht weg“, soll er gesagt haben – und ja, natürlich ist das auch ein Satz für die Geschichtsbücher im Kleinen, weil er zeigt, wie schwer es einem fällt, loszulassen, wenn man so lange gehalten hat.</p>
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		<title>Dann halt nur noch ein Staatsfernsehen. Ist ja auch übersichtlicher.</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 12:50:34 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[ARD]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt diese politische Reflexbewegung, die jedes Mal anspringt, wenn irgendwo „öffentlich-rechtlich“ draufsteht: Man nimmt zwei große Buchstabenpakete, schreibt „Doppelstruktur“ daneben, tut so, als hätte man gerade einen rostigen Motor entdeckt, und sagt dann mit dem Tonfall eines Mannes, der gleich noch den Kühlschrank abtaut: Fusionieren. Und zack, klingt alles nach Ordnung, nach Effizienz, nach [&#8230;]]]></description>
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<p>Es gibt diese politische Reflexbewegung, die jedes Mal anspringt, wenn irgendwo „öffentlich-rechtlich“ draufsteht: Man nimmt zwei große Buchstabenpakete, schreibt „Doppelstruktur“ daneben, tut so, als hätte man gerade einen rostigen Motor entdeckt, und sagt dann mit dem Tonfall eines Mannes, der gleich noch den Kühlschrank abtaut: Fusionieren. Und zack, klingt alles nach Ordnung, nach Effizienz, nach „endlich mal aufräumen“. Genau so wirkt jetzt das gemeinsame Positionspapier der CDU-Fraktionen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, die ernsthaft eine Zusammenlegung der Hauptprogramme von ARD und ZDF fordern, weil „niemand mehrere nationale Nachrichtensendungen zur selben Uhrzeit“ brauche und „niemand zwei Koch- oder Quizsendungen gleichzeitig“. Ich verstehe sogar den Impuls – ich sitze ja auch manchmal da, zappe durch, erwische mich bei diesem leicht genervten &#8222;Ach, schon wieder die gleiche Erklärgrafik, schon wieder der gleiche Studiotisch, nur mit anderer LED-Leiste&#8220;, und dann kommt der kleine Buchhalter in mir hoch, der alles in Spalten denkt. Gleichzeitig ist diese Fusion-Phantasie politisch so etwas wie die Abkürzung durch den Wald, auf der man am Ende im Sumpf steht: Sie reduziert eine komplexe, historisch gewollte, verfassungsrechtlich gerahmte Medienarchitektur auf die Frage, ob ich um 20 Uhr lieber zwei Tagesschaus oder gar keine sehen möchte. Und sie verwechselt &#8222;Gleichzeitigkeit&#8220; mit &#8222;Gleichgültigkeit&#8220;.</p>



<p>Denn dass ARD und ZDF sich manchmal ähneln, ist nicht automatisch ein Fehler, sondern zunächst einmal eine Folge davon, dass beide denselben Auftrag ernst nehmen sollen: Grundversorgung, verlässliche Information, kulturelle Breite, auch Dinge senden, die nicht sofort nach Werbekunden riechen. Die CDU sagt nun, das „ursprüngliche Ziel“, mit der Doppelstruktur Meinungsvielfalt abzubilden, werde „heute nicht mehr erreicht“ und sei angesichts privater und non-linearer Angebote „nicht mehr zeitgemäß“. Das klingt modern, so ein bisschen „Stream-Welt, Baby“, nur steckt darin eine merkwürdige Logik: Weil es heute &#8222;mehr&#8220; Angebote gibt (private Sender, Plattformen, Influencer-News, algorithmische Empörung im Abo), sollen wir ausgerechnet dort zusammenstreichen, wo Vielfalt nicht nur ein Marktprodukt ist, sondern eine demokratische Absicherung. Ich bin wirklich kein Romantiker des linearen Fernsehens (ich habe auch schon zu viele Abende damit verbracht, „nur kurz“ etwas zu gucken und dann in irgendeiner Doku über norwegische Tunnel zu landen), aber die Idee, man könne öffentliche Medien wie Doppelhaushälften zusammenlegen, weil draußen in der Straße ja noch fünf Einfamilienhäuser stehen, ist schief. Gerade in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit der härteste Rohstoff ist und sich Wirklichkeit in Feeds zersplittert, ist die Existenz von zwei großen, voneinander unabhängigen öffentlich-rechtlichen Nachrichten- und Programm-Maschinen kein Luxus, sondern Redundanz im besten Sinne: ein Sicherheitsnetz, ein Gegencheck, eine zweite Redaktion, die nicht nur denselben Agenturticker nacherzählt, sondern im Idealfall andere Fragen stellt, andere Schwerpunkte setzt, andere blinde Flecken beleuchtet. Und ja, manchmal machen sie das nicht gut genug, aber die Antwort darauf kann nicht sein, die Zahl der unabhängigen Zentren zu verringern.</p>



<p>Was mich an dem CDU-Vorstoß besonders irritiert, ist dieser moralische Gestus des Sparens, der so tut, als wäre „Fusion“ automatisch „billiger“ und „besser“, wobei gleichzeitig in Sachsen und Sachsen-Anhalt zuletzt genau die konstruktiven Reformschritte blockiert wurden, die das System tatsächlich modernisieren sollten. Man erinnere sich daran, dass eine Reform des Beitragsfestsetzungsverfahrens scheiterte, weil Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt nicht mitgingen, und dass das Verfahren inzwischen „merkbar funktionsunfähig“ sei. Da wird also erst der Mechanismus torpediert, der Streit und Blockade bei der Finanzierung entschärfen sollte, und dann präsentiert man sich als Aufräumer, der jetzt „große Schritte“ will. Das hat etwas von: erst die Sicherung rausdrehen, dann über den Stromausfall klagen. Wer wirklich sparen will, muss in die langweiligen Zonen rein – Verwaltung, Technik, Immobilien, Gremienstrukturen, doppelte IT-Systeme, parallele Mediathek-Backends, Rechteverwaltung, Einkauf, Distribution –, und ja, da gibt es seit Jahren sinnvolle Ansätze über Kooperationen und gemeinsame Plattformen, auch über stärkere Bündelung innerhalb der ARD, was die CDU ja nebenbei ebenfalls fordert. Nur ist das eben nicht so populär wie der große Satz „ARD und ZDF fusionieren“, der sich herrlich in eine Talkshow legen lässt wie ein nasser Lappen auf die Stirn: &#8222;Schaut, ich mach was gegen den Beitrag&#8220;. Dass dabei vor allem redaktionelle Vielfalt, institutionelle Unabhängigkeit und die produktive Konkurrenz zwischen zwei öffentlich-rechtlichen Marken auf dem Spiel stehen, wird als Kollateralschaden weggelächelt.</p>



<p>Und dann ist da noch der Timing-Geruch, dieser leicht metallische Wahlkampfgeschmack, den man nicht wegmoderieren kann. <a href="https://www.dwdl.de/nachrichten/105223/cdu_in_sachsen_und_sachsenanhalt_will_fusion_von_ard_und_zdf/" data-type="link" data-id="https://www.dwdl.de/nachrichten/105223/cdu_in_sachsen_und_sachsenanhalt_will_fusion_von_ard_und_zdf/">DWDL schreibt in einem Artikel</a> offen, die Forderung könne auch ein populistisches Manöver sein, und verweist auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September, bei der die CDU unter Druck steht. In Umfragen liegt die AfD deutlich vorne, in manchen Szenarien wird über Werte um 40 Prozent gesprochen – also über eine Lage, in der jede Partei versucht, irgendwas „Härteres“ zu sagen als die nächste, weil man glaubt, die Wählerinnen und Wähler würden sonst beim Nachbarn klingeln. In so einem Klima wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk gern zur Projektionsfläche: Man kann ihn gleichzeitig als teuer und als moralisch anstrengend markieren, als „die da oben“ mit Kameras, und man kann sich selbst als Anwalt „der Leute“ inszenieren, die angeblich nur ihre Ruhe wollen. Nur dass Medienpolitik eben nicht nur eine Frage der Ruhe ist, sondern der Resilienz: Wie viele unabhängige, öffentlich kontrollierte, nicht rein marktgetriebene Räume leisten wir uns, damit Debatten nicht komplett von Plattformlogik, Empörungstaktik und Reichweiten-Zufall abhängen? Ausgerechnet in Ostdeutschland, wo Vertrauen in Institutionen ein empfindlicher Wert ist und wo regionale Abbildung mehr ist als Folklore, ist „weniger öffentlich-rechtlich“ keine neutrale technische Entscheidung, sondern ein Signal. Das Bundesverfassungsgericht hat erst im Sommer 2025 noch einmal betont, wie wichtig regionale Organisationseinheiten (Studios, Büros) für regionale Vielfalt sind und dass solche Strukturen im Rahmen der Rundfunkfreiheit eine Rolle spielen. Wenn man also einerseits „die Dritten“ als „wichtigen Garant“ für Vielfalt lobt, und andererseits an einer nationalen Zentralfusion bastelt, die am Ende doch Druck erzeugt, Standorte und Redaktionen zu konzentrieren, dann ist das mindestens widersprüchlich, wahrscheinlich aber einfach das übliche Spiel: Regionalität als Argument behalten, Zentralisierung als Sparversprechen verkaufen.</p>



<p>Ich will dabei gar nicht so tun, als wäre alles super. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat echte Probleme: Vertrauensverluste, Skandale, zu viel Selbstbezug, manchmal diese glatte, auf Nummer-sicher-Moderation, bei der man merkt, wie das Risiko schon im Flur abgegeben wurde. Und ja, es gibt Dopplungen, es gibt Formate, die sich gegenseitig kannibalisieren, und es gibt Abende, an denen man denkt, man habe aus Versehen denselben Sender zweimal eingeschaltet. Nur: Die Lösung ist nicht, zwei Anstalten zu einer zu verschmelzen, sondern ihre Stärken klarer zu unterscheiden und ihre Zusammenarbeit dort zu erzwingen, wo sie niemandem wehtut. Man könnte Dinge bündeln, die nicht „Meinungsvielfalt“ sind, sondern Infrastruktur: gemeinsame Technikstandards, ein gemeinsames Login- und Empfehlungssystem für Mediatheken, gemeinsamer Einkauf von Lizenzen, eine geteilte Auslandsproduktion dort, wo es nicht um Deutungshoheit, sondern um Präsenz geht, dazu harte Transparenzregeln, schlankere Führungsebenen, weniger Parallel-PR, weniger Gremienfolklore, mehr nachvollziehbare Kennzahlen, die nicht nur Reichweite messen, sondern Wirkung im Auftrag. Und gleichzeitig müsste man das bewahren, was in der politischen Debatte immer so schnell als „Doppelung“ diffamiert wird, obwohl es in Wahrheit ein demokratisches Prinzip ist: zwei große, voneinander unabhängige Redaktionen, zwei unterschiedliche institutionelle Kulturen, zwei Marken, die sich gegenseitig prüfen, anspornen, manchmal ärgern . Also genau so wie es im dualen System gedacht ist, in dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Grundversorgung absichert, gerade weil der Markt Vielfalt nicht automatisch garantiert.</p>



<p>Vielleicht ist das am Ende mein Hauptproblem mit dieser CDU-Idee: Sie klingt nach Management, ist aber eigentlich Messaging. Sie spielt „Sparen“ gegen „Vielfalt“ aus, obwohl man beides zusammen denken müsste; sie tut so, als wären ARD und ZDF bloß zwei Versionen desselben Produkts, obwohl sie historisch und strukturell unterschiedliche Antworten auf dieselbe demokratische Frage sind; und sie unterschätzt, wie schnell eine Fusion, die angeblich nur „Programme zusammenlegt“, in der Praxis eine Macht- und Standortfrage wird, bei der am Ende nicht nur Kochsendungen verschwinden, sondern Stimmen, Milieus, Perspektiven. Ich will nicht, dass öffentlich-rechtlich unantastbar ist. Im Gegenteil, ich will, dass es angreifbar ist, kritisierbar, reformierbar, und zwar so, dass es besser wird. Nur ist „ARD und ZDF zu einem machen“ keine Reform, sondern eine Vereinfachung, die sich gut anfühlt wie ein aufgeräumter Desktop, während im Hintergrund die wichtigen Ordner verschwinden. Und wenn wir in einem Jahr wie 2026, mit Landtagswahlen, mit Parteien, die am liebsten jede Institution delegitimieren würden, mit einem Diskurs, der schneller eskaliert als er nachdenkt, freiwillig die Zahl unserer unabhängigen öffentlichen Leuchttürme halbieren, dann ist das keine Modernisierung, sondern ein Risiko – eines, das sich erst bemerkbar macht, wenn es zu spät ist, und dann sagt wieder jeder: &#8222;Das konnte ja keiner ahnen.&#8220;</p>
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